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Königsetappe: Über den Rachel zum Falkenstein

Anspruchsvolle Bergtouren gibt’s in Bayern nur in den Alpen? Falsch gedacht! Eine Tageswanderung über die Gipfel Rachel und Falkenstein wird auch Alpen-Fans begeistern! Vor allem, weil man dabei die spannendsten Ecken des Nationalparks Bayerischer Wald entdeckt! Eine Foto- und Video-Safari durch rund 38 Kilometer wilde Natur mit etwa 1700 Höhenmetern Auf- sowie Abstieg in sechs Akten:

Zum Sonnenaufgang auf den Rachel

Kurz nach dem nächtlichen Start um 3.10 Uhr in Klingenbrunn Bahnhof bei 10,5 Grad gibt’s die erste Wegegabelung. Dank Stirnbirne funktioniert die Orientierung. Die Geräusche wirken in der Dunkelheit viel präsenter. Überall knistert es. Die am Weg vorbeirauschende Flanitz sorgt für einen idyllischen Hintergrundsound.
Etwas mehr als eine Stunde später ist es so hell, dass die Lampe ausgedient hat. Über dem offenen Hochplateau des Rachels lässt sich das erste Licht erahnen. Just in dem Moment saust ein Kauz über die Baumgerippe. Gut 500 Höhenmeter über einen tollen, schmalen Steig sind schon geschafft.
4.40 Uhr – der erste Gipfel des Tages ist erreicht! Mit dem etwa 700 Höhenmeter schweren Aufstieg auf den Großen Rachel wäre das härteste Kapitel des Tages bereits erledigt. Nun wird auf den Sonnenaufgang gewartet – aufgrund der Morgenfrische mit Bodywärmer.
Kurz bevor sich die Sonne anfängt zu zeigen noch einen Blick von den Gneis-Blöcken des Gipfels auf das Kreuz geworfen…

Das Zeitraffer-Video zeigt den Sonnenaufgang, der am Horizont leider etwas wolkenverhangen war. Da kann die iPhone-Kamera die in Natura viel faszinierend wirkendere Lichtstimmung einfach nicht gebührend einfangen…

Mit Tierbegegnungen zur Brotzeit am Verlorenen Schachten

Nach dem kurzen Abstieg vom Rachelgipfel zum Waldschmidthaus wird auf den Goldsteig abgebogen, der nach wenigen hundert Metern gleich das erste Highlight offenbart, die Rachelwiese im Morgenlicht…
Der Abstieg über den Rachel-Nordhang ist eines der schönsten Wegeabschnitte im Nationalpark Bayerischer Wald. Nicht nur der alpin anmutende Steig ist wunderbar, sondern auch die entstehende Waldwildnis…
Blick ins Tal…
Wer findet den Steig? Der schmale Pfad ist perfekt beschildert – und trotzdem hat man stellenweise das Gefühl im Nirgendwo zu sein, so verliert man sich in der Landschaft, wenn die Augen nur etwas umherschweifen.

So tiefer man kommt, desto mehr Bächlein entdeckt man. An einigen Stellen hat sich das Wasser über die Jahrtausende tief ins feste Gestein hineingeschnitten.

Wer entdeckt das Reh? Direkt auf dem kurzzeitig breiter gewordenen Weg begegnet mir das Tier. An dieser Stelle hätte man dann doch lieber eine gute Spiegelreflexkamera eingepackt, aber aus Gepäck-Minimierungs-Gründen musste das iPhone reichen. Wenig später begegne ich dann auch noch einer Rotte Wildschweine, bin diesmal aber zu langsam für einen Handy-Schnappschuss.
Nach dem spannenden Rachel-Abstieg folgt ein etwas kürzerer Gegenanstieg zum Verlorenen Schachten, den ich um 6.43 Uhr erreiche. Bänke und Tisch laden förmlich zur Brotzeit ein…
Das Frühstückchen…

Jetzt geht’s in Richtung Moore

Knochiger Baum-Opa auf dem Almschachten… Das Gelände bleibt derweil erstmal relativ eben…
Erste Anzeichen von Feuchtgebieten kommen direkt am Bohlenweg empor: Wollgras…
Im Moorgebiet Latschenfilz angekommen, sind die namensgebenden Latschenkiefern omnipräsent…

Ein Mini-Abstecher vom Hauptweg führt zum Latschensee, einem Moorauge, das sich nur aus Regenwasser speist. Das stehende Gewässer ist ein Eldorado für Libellen und Co…

Die Wollgras-Teppiche werden immer größer…
Auch am Kohlschachten wachen mächtige Schachtenbäume. Im Unterholz hüpft eine Kröte an mir vorbei. Das wäre wieder eine tolle Gelegenheit für eine Spiegelreflexkamera, aber was soll’s…
Im Zwieselter Filz wirken die Mooraugen fast symetrisch angeordnet…
Der Rotrandige Fichtenporling ist einer der häufigsten Pilze im Nationalpark, vor allem an alten, schwachen und abgestorbenen Fichten ist er zu finden…

Auf dem Weg zum Scheuereckberg

Kurz nach den Filzen passiere ich die Hirschbachschwelle, eine der einstigen Triftklausen, die für den Holztransport gen Tal angelegt wurden.
Erstmal geht’s durch ein Waldgebiet, das von Buchen dominiert ist – bei der immer stärker werdenden Sonne ganz praktisch, schließlich gibt’s so viel Schatten.
Nächsten Zwischenziel ist der Lindberger Schachten. Etwas fies: Wer denkt, er hat mir der ehemaligen Hochweide auch gleich die dortige Hütte für eine kurze Rast erreicht, muss feststellen, dass es am Schachten selbst noch ein paar Höhenmeter bergauf geht, ehe das Zwischenziel tatsächlich erreicht ist.
Nun wird’s vermehrt etwas straßenartiger. Auf einem breit angelegtem Wander- und Radweg kann mit Stockeinsatz dafür schneller Strecke gemacht werden… Um 9.36 Uhr begegne ich übrigens dem ersten Menschen des Tages, einem Radler. Bis zum Falkenstein werden es insgesamt nur ein gutes Dutzend Wanderer und drei Fahrradfahrer werden, die meinen Weg kreuzen.
Nach einem anständigen Zwischenspurt geht’s hinauf auf den Jährlingsschachten. Zwischen den Sträuchern huschen vor meinen Füßen immer wieder Waldeidechsen über den Pfad.
Am Ende des Schachtens wartet um 10.17 Uhr mit dem 1193 Meter hohem Scheuereckberg der zweite Gipfel des Tages. Von hier aus hat man auch tolle Ausblicke auf den tschechischen Nachbar-Nationalpark Sumava inklusive des Aussichtsturm auf dem Polednik.

Finaler Kraftakt zum Großen Falkenstein

Der Weg bleibt nun immer öfter breit und somit etwas monoton. Das passt auch zu den öfter zu findenden Arealen, die noch stark an die von Fichten lebende Forstwirtschaft erinnern. Schließlich wurden die Bereiche zwischen Rachel und Falkenstein erst 1997 Nationalpark. Somit ist die Entwicklung hin zum Naturwald im Vergleich zum Rachel-Lusen-Gebiet noch etwas hinterher…
Dieser Baum auf dem Rindelschachten hat auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel…
Über die Brücke oder durch den Bach? Ich entscheide mich natürlich für die nasse Variante, schon allein weil die Sonne mittlerweile immer kräftiger vom Himmel scheint…
Der vorletzte Schachten des Tages, der Albrechtsschachten, markiert so langsam das Ende des gemütlichen verlaufenden Zwischenstücks
Blümchen am Höllbach…
Zum kleinen Sulzschachten hinauf wird’s nochmal richtig steil. Doch der Gipfel ist nicht mehr weit, also einfach durchbeißen…
Auf dem Falkenstein-Hochplateau kommt man noch auf einer Windwurffläche vorbei, auf denen mächtige Wurzelteller zu bestaunen sind.

Um 12.38 Uhr ist der dritte Gipfel und somit das eigentliche Tagesziel erreicht. Vom Großen Falkenstein aus kann man famose Ausblicke genießem, etwa auf die Glasstadt Zwiesel und den Großen Arber.

Letzte Stationen: Schutzhaus und Waldbahn

Die Stärkung im Falkenstein-Schutzhaus direkt unter dem Gipfel habe ich mir jetzt redlich verdient. Neben Käsespätzle und Kaltgetränk verordne ich mir eine zweistündige Pause.
Nachdem ich den letzten Tropfen meiner Drei-Liter-Trinkblase am Gipfel rausgesogen habe, gibt’s für den Abstieg ein Refill mit leckerem Falkenstein-Wasser.
Noch ein paar Blümchen am Wegesrand. Die Aufmunterung kann ich auch gut gebrauchen, der finale Talabstieg ist jetzt schließlich die erste Stelle, bei der es so richtig brennt in den Oberschenkeln. Aber ein Ende ist in Sicht.
Finaler Halt Klingenbrunn Bahnhof: 16.49 Uhr war ich zuvor in Ludwigsthal in die Waldbahn eingestiegen, um für 6,30 Euro über einen umkomplizieren Umstieg in Zwiesel zu meinem Ausgangspunkt zu gelangen. Fünf Minuten nach dem Verlassen der Waldbahn bin ich am Auto – etwas ausgepowert aber glücklich. Jetzt aber erstmal eine Dusche!

(Text, Fotos und Videos: Gregor Wolf)


SERVICE

Waldbahn: Fahrpläne für den ÖPNV im Nationalpark Bayerischer Wald gibt’s unter www.bayerwald-ticket.com.
Falkenstein-Schutzhaus: Infos zur Hütte, die im Sommer täglich geöffnet hat, gibt’s unter www.1315m.de. Übrigens kann man die Tour auch mit einer Übernachtung im Schutzhaus abschließen.
Weggemarkierung: Zwischen Rachel und Falkenstein folgt man stets dem Goldsteig (gelber, stylisierter Wanderweg) bzw. dem europäischen Fernwanderweg E6 (grünes Dreieck). Der Rachel-Aufstieg folgt dem Rannen-Symbol, der Falkenstein-Abstieg der Esche-Markierung. Mehr zu den Wanderwegen im Nationalpark unter www.nationalpark-bayerischer-wald.de.

Das grüne Dreieck und der gelbe Wanderweg führen vom Rachel zum Falkenstein.

 

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2 Kommentare

  1. driek driek

    sehr gut! ich als Hollander mochte auch gerne in sommer diese wanderunge Machen, aber dann ZwieslerWaldHaus > Falkenstein > Rachel. Kannst du ungefahr sagen wie lange in Stunden diese strecke ist?
    Ich bin Hollander……

    • Hallo driek, also ich würde da dann in eher gemütlichem Tempo schon mit 12 Stunden rechnen, vor allem weil du mangels Übernachtungsmöglichkeit am Rachel auch noch vom selbigen absteigen musst… Der kürzeste Rachelabstieg ist der zum Parkplatz/Bushalt Gfäll. Gruß Gregor

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